Chronotypus beim Lernen berücksichtigen

Wenn man das Gefühl hat, dass mit dem eigenen Lernen etwas nicht stimmt, dann sollte man zunächst versuchen, sich über einen längeren Zeitraum genau zu beobachten. Dazu hilft etwa ein kleines Lerntagebuch, in dem man festhält, zu welchen Tageszeiten man am leichtesten und zu welchen Tageszeiten man am schwersten gelernt hat, denn die Energie zum Lernen schwankt öfter im Laufe des Tages und damit die Motivation, Konzentration und geistige Produktivität. Obwohl sich Menschen sehr voneinander unterscheiden, gibt es dennoch einige Grundprinzipien, die man bei der Lernplanung beachten sollte. Man kann nämlich die individuelle Leistungsfähigkeit des allgemeinen Biorhythmus recht gut vorhersagen, weil diese natürliche Motivations- und Leistungskurve bei den meisten Menschen sehr regelmäßig und berechenbar verläuft.

Die meisten Menschen haben einen Leistungshöhepunkt vormittags zwischen 9:00 und 12:00 Uhr, einen zweiten zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Man spricht in diesem Fall von Morgenmenschen oder poetischer von Lerchen. Ist man aber eine Eule und die Leistungsfähigkeit ist später am Tag höher, was auf eher wenige Menschen zutrifft, sollte der Tagesplan ebenfalls entsprechend abgestimmt werden. Der Abendtypus wacht tendenziell später am Morgen auf, ist zunächst wenig leistungsfähig, um am Nachmittag und Abend zu seiner Hochform aufzulaufen, sodass beim Abendtypus die Müdigkeit erst relativ spät einsetzt.

Vor allem nach Mahlzeiten, insbesondere nach dem Mittagessen, arbeitet das Gehirn langsamer, da der Körper sehr viel Energie für die Verdauung benötigt wird. Daher sollte man besser zu dieser Zeit eine Pause einlegen und warten, bis das zweite Tageshoch kommt. Seinen Biorhythmus sollte man unbedingt bei der Lernplanung berücksichtigen, denn man führt einen unnötigen Kampf mit der sich ständig meldenden Ermüdung. Das spürt man, indem man deutlich das Gefühl hat, sich einfach nicht auf die vor einem liegende Aufgabe zu konzentrieren. Es ist aber auch Energieverschwendung, wenn man in seinem Leistungshoch belanglose Dinge erledigt. Die mentalen Kapazitäten sollten optimal ausgelastet werden, sodass man konzentrationsintensive Aufgaben in den Vormittag legt. Neben diesen Hauptphasen schwankt der Biorhythmus in einem zweiten Rhythmus, der mit physiologischen Aspekten wie Hunger und Durst zusammenhängt.

Linktipp: Mithilfe des Münchner Chronotyp Questionnaire kann man die zugrunde liegende Komplexität in der biologischen Uhr und individuelle Unterschiede im täglichen Verhalten herausfinden, wobei nach Absolvierung des Tests ein persönliches Profil per Email zugesendet wird. https://www.bioinfo.mpg.de/mctq/core_work_life/core/introduction.jsp?language=deu (13-11-21)

Quelle

Tonetti, L., Natale, V. & Randler, C. (2015). Association between circadian preference and academic achievement: A systematic review and meta-analysis [Abstract]. Chronobiology International, 32 (6), 792-801.
Stangl, W. (2011). Chronotypus. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

http://lexikon.stangl.eu/9934/chronotypus/ (11-11-14)