Prinzipien der Gedächtnisbildung

Man unterscheidet zwei Prinzipien der Gedächtnisbildung, wobei eine für das prozedurale Lernen verantwortlich ist, mit dessen Hilfe der Mensch motorische Fähigkeiten erwirbt, etwa Schwimmen oder Radfahren. Dieser unter maßgeblichem Einsatz des Kleinhirns gesteuerte Lernprozess ist äußerst nachhaltig und übersteht sogar eine Demenzerkrankung. Das deklarative Lernen, das sich auf das semantische und das biografische Gedächtnis stützt, wird von der Eingangsstruktur des Gehirns, dem Hippocampus, gesteuert, also der Schaltzentrale des limbischen Systems, in der Emotionen und Triebe beheimatet sind. Im semantischen Gedächtnis legt das Gehirn Erlerntes ab, also etwa alles, was man in der Schule über die Welt gelernt hat.

Während dieses Faktenwissen in keiner Weise mit den Orten verbunden ist, an denen der Mensch es erworben hat (siehe die Ausnahme: Wie heißt die Hauptstadt von …), verfügt das biografische Wissen über Wurzeln, die bis in die Kindheit zurückreichen, verbinden das Erinnerte mit Menschen, mit Orten, mit Gerüchen und Geschmäckern. Dadurch bleibt dieses Wissen durch seinen emotionalen Gehalt besonders klar und deutlich, sodass diese ältesten Erinnerungen kaum von neuen Eindrücken überlagert werden können. Während am Beginn des Lebens alle Erinnerungen noch einigermaßen systematisch eingeordnet werden, sind spätere Erinnerungen oft nicht mehr eindeutig logisch erschließbar und werden von immer neueren Erlebnissen überlagert. Nur einzelne erinnerte Moment, die mit starken Emotionen verknüpft wurden, können diese selbe Permanenz erlangen, die frühe Erinnerungen von sich aus besitzen.

Quelle

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wissen-und-bildung/wissenschaft/Wie-das-Gehirn-unsere-Heimat-pr%C3%A4gt-article3956968.html (18-10-10)