Vorlesungsnotizen am Laptop oder Tablet?

Die Mitschrift auf Tablets und tragbaren Computern sind heute keine Seltenheit mehr, doch ist deren Einsatz nicht unumstritten. Studien zeigen allerdings, dass man mit handschriftlichen Notizen den Inhalt einer Vorlesung besser versteht und den Inhalt eines Vortrags messbar besser behält. Außerdem bleibt das Verstandene länger im Gedächtnis, was vor allem für komplexe Zusammenhänge und gedankliche Transferleistungen gilt, weniger nur für Sachwissen. Offenbar fördert handschriftliches Notieren einen bewussten Umgang mit dem Lernstoff und damit das kognitive Verarbeiten im Gehirn. Mueller & Oppenheimer (2014) überprüften in einer Reihe von Experimenten den Lerneffekt beim Mitschreiben per Hand und per Tastatur, wobei Collegestudenten jeweils in kleinen Gruppen Videovorträge über interessante, aber weniger bekannte Themen präsentiert bekamen. Dabei mussten sie entweder auf Laptops oder mit der Hand dabei so mitschreiben, wie sie es aus anderen Lehrveranstaltungen gewohnt waren. Nach einer halben Stunde mussten dann Fragen zum Inhalt der Vorträge beantworten werden, und zwar entweder Faktenwissen oder konzeptionelles Wissen. Beim reinen Faktenwissen punkteten die Probanden mit Laptop ähnlich wie jene mit Stift und Papier, doch bei konzeptionellen oder Transfer-Fragen, die das inhaltliches Verstehen erforderten, schnitten die Laptop-Probanden deutlich schlechter ab. Auch zeigte sich, dass eine ausführlichere Niederschrift nicht zugleich mehr Verstehen bedeutet, denn die digitalen Notizen umfassten im Schnitt wesentlich mehr Wörter als die handschriftlichen, wobei auch die Formulierungen des Vortrags per Tastatur häufiger wortwörtlich aufgezeichnet worden waren. Offenbar beschäftigen sich Menschen beim handschriftlichen Notieren mehr mit dem Verarbeiten als beim Tippen in den Laptop, sodass sie nur die wichtigeren Informationen für ihre Notizen auswählen. Kann jemand schnell tippen, neigt er dazu, das Gehörte Wort für Wort niederzuschreiben, ohne groß darüber nachzudenken. Wer jedoch mit dem Schreiben nur langsam hinterher kommt, muss schon beim Notieren effizient das Wichtigste herausfiltern und in eigenen Worten formulieren. Zwar galt, je fleißiger jemand mitgeschrieben hatte, desto besser erinnerte er sich im Vergleich zu andern, doch es je wortwörtlicher die Mitschrift war, desto weniger Inhalt war gemerkt worden. Heute gibt es allerdings diverse neue Technologien mit Tablets und elektronischen Stiften, die vielleicht den in dieser Untersuchung nachgewiesenen Handschrifteffekt nutzen könnten.

Literatur

Mueller, Pam A. & Oppenheimer, Daniel M. (1914). The Pen Is Mightier Than the Keyboard – Advantages of Longhand Over Laptop Note Taking. Psychological Science, doe: 10.1177/0956797614524581.